Die Ursprünge von Pet & Puppy Play

Human Pup is being photographed.

Die unbeabsichtigte gesellschaftliche Konstruktion des Puppy Play

Wenn Musik das Herz verwirrt
und die Sehnsucht tanzen geht
wenn die Seele sich verirrt
dann hilft nur noch ein Gebet

Gott, bewahr uns vor dem Grau´n
dessen Schrecken uns verführt
lass uns nicht in tiefen schau´n
deren Abgrund uns berührt

Gott befrei uns von dem Drang
das Verbotene zu tun
lass den Hang zum Untergang
im tiefsten Grund der Seele ruh’n

Und vergib uns unser Giern
nach dem bösen und der Nacht
Lass uns nicht den Kopf verliern
wenn das Tier in uns erwacht!

[Lyrics aus dem Lied „Stärker als wir sind“ aus dem Musical „Tanz der Vampire“]

Wie wir gesehen haben, macht die Definition von „Tier“ und „Mensch“, von „Natur“ und „Kultur“ einen großen Teil unserer Sozialisation aus. Wir müssen sowohl die äußere Natur, zum Beispiel in Form von Tieren, als auch die innere Natur, zum Beispiel das sogenannte „Tier in uns“, kontrollieren. Dies scheint klar zu sein.

Es ist auch klar, dass manche Menschen Lust, oft sogar sexuelle Lust, dabei verspüren, genau das Gegenteil zu tun, d.h. die Rolle eines Tieres im Pet Play zu übernehmen. Wie ist das also möglich?

Mein Vorschlag ist, dass diese Form der Sozialisierung unweigerlich zu einem enormen inneren Druck führt. Wir können diese inneren Spannungen zwischen dem, was wir sind (d.h. ein Tier unter vielen) und dem, was wir sein sollen (d.h. das Gegenteil eines Tieres), nicht konsequent aufrecht erhalten. Diese Spannungen haben daher das Potential, sich im Spiel, manchmal sogar im sexuellen Spiel, zu entladen, indem wir uns in genau das hineinfallen lassen, was wir eigentlich ganz vermeiden sollten. Mit anderen Worten: Es könnte uns anmachen, zuzulassen, was wir ständig unterdrücken sollten. Das Verbotene, die Gefahr, das Tabu entwickelt gleichzeitig ein unglaublich starkes Potential der Erregung und Erleichterung. Weil wir das „Tier in uns“ immer kontrollieren müssen, kann es für uns unglaublich erregend sein, Verbotenes zuzulassen, uns fallen zu lassen, „zum Tier zu werden“. Pet Play ist geboren.

Weil wir das „Tier in uns“ immer kontrollieren müssen, kann es für uns unglaublich erregend sein, Verbotenes zuzulassen, uns fallen zu lassen, „zum Tier zu werden“.

Aber warum Hunde?

Dogs being taken for a walk on leashes

Aber warum sind Hunde von allen Tierarten die am häufigsten verwendeten? Natürlich gibt es ähnliche Fetische auch bei anderen Tierarten, wie bei Katzen, Pferden, Schweinen, Füchsen usw. Ich habe einmal ein Interview mit jemandem gesehen, der wie ein Schwein geschlachtet werden wollte. Ironischerweise ist er auf einem Bauernhof aufgewachsen, was wiederum die Theorie unterstützt, dass diese Fetische ein Nebenprodukt unserer Sozialisation sind. Keine Tierart scheint jedoch besser für Pet Play geeignet zu sein als Hunde. Und dafür gibt es einen Grund: Die Domestizierung keiner anderen Tierart ist im Alltag der meisten Menschen sichtbarer als die von Hunden.

Die Domestizierung keiner anderen Tierart ist im Alltag der meisten Menschen sichtbarer als die von Hunden.

Ich zitiere einen 36-jährigen Puppy Player, den ich einmal interviewt habe. Als ich ihn fragte, warum er gerne einen Hund und nicht eine andere Tierart spielt, meinte er:

„Hunde nimmt man ja auch an die Leine. Also man kann natürlich jedes andere Tier auch an die Leine nehmen. Aber beim Hund ist es halt am natürlichsten. Und vor allem auch das Dressieren, (…) das verbindet man halt – also für mich – verbinde ich das viel mehr mit dem Hund. (…) Katzen… ja ich weiß nicht, für mich ist jedes andere Tier nicht so interessant (…) [wie ein Hund], der wirklich treu-doof seinem Herrchen folgt. (…) Für mich ist es das Schöne auch Puppy zu sein, zwischen den Beinen eines Herrchens zu sitzen. Und da auch länger zu bleiben und nichts zu tun. Was meiner Ansicht nach auch vor allem weder Katzen wirklich machen (…). Katzen werden eher egomanisch angesehen.“

Die Domestizierung des Tieres ist beim unterwürfigen Hund viel deutlicher zu erkennen als bei der weniger menschenbezogenen Katze. Zwar werden auch Schweine, Kühe und andere Nutztiere in Milliardenzahlen gesellschaftlich unterdrückt, und ihre Unterwerfung ist in der Massentierhaltung viel grausamer als die vergleichsweise sanfte Domestizierung des Hundes. Dies geschieht jedoch in fensterlosen Gebäuden, zu denen die meisten Menschen keinen Zugang haben. Ihre Unterdrückung ist stärker, aber unsichtbar. Daher hat sie auf die Sozialisierung der meisten Menschen keinen so großen Einfluss. Was bleibt, ist die sichtbarste Form der Domestizierung des Tieres: der Hund.

Die Popularität des Hundes für den Pet Play Fetisch ist auf die soziale Sichtbarkeit seiner offenen Domestizierung zurückzuführen. Das bedeutet nicht, dass die Domestizierung oder Unterdrückung anderer Tierarten für einige Menschen mit anderen Lebens- und Erfahrungswelten, Kindheiten und Biographien nicht sichtbar sein könnte. Auch andere Tierarten könnten potenziell für den Fetisch Pet Play geeignet sein (was sie für einige auch sind). Für die Kontrolle und Unterwerfung der Natur, des (inneren und äusseren) Tieres, des Instinkts, der Wildnis, der Gefahr, für diese Kontrolle durch den Menschen, durch seine Vernunft, seine Kultur und seine Zivilisation, bleibt der Hund das Symboltier schlechthin. Der Hund könnte das höchste Potential bieten, die inneren Spannungen, die durch den Dualismus Mensch/Kultur vs. Tier/Natur erzeugt werden, zu lösen. Aus diesem Dualismus auszubrechen, indem man in die Rolle eines Hundes schlüpft, könnte also ein unglaublich starkes Potential zur Befreiung bieten.

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